Neue, geänderte Befehle unter MS-DOS 6.0

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DEFRAG



Das Dateiverwaltungsprogramm von MS-DOS wurde während seiner Laufzeit kaum geändert, obwohl sich in der Zwischenzeit die Kapazitätn von Festplatten verhundertfacht haben. MS-DOS legt noch immer Dateien dort ab, wo gerade Platz ist. Paßt eine Datei nicht vollkommen in ein freies "Loch", wird nur ein Teil von ihr dort gespeichert und der Rest in anderen freien Bereichen.
Durch die dadurch entstehende Fragmentierung von Dateien werden wesentlich mehr Zugriffe auf die Verwaltungsinformationen der Festplatte erforderlich. Da sich diese Informationen am äußersten Rand der Disk befinden, müssen laufend die Köpfe von ihrer aktuellen Position zum äußeren Rand und anschließend wieder auf die entsprechende Stelle im Datenbereich positioniert werden. Diese mechanischen Vorgänge vermindern beträchtlich den Durchsatz des gesamten Systems.
Aus diesem Grund ist es erforderlich, eine Festplatte von Zeit zu Zeit zu reorganisieren. Bisher wurden diese Aufgaben nur von Dienstprogrammen wie Norton-Ultilities, PC-Tools usw. erledigt. Mit der Version 6.0 von MS-DOS hat Microsoft ein entsprechendes Programm von Symantec (Norton) gekauft und stellt es unter dem Namen DEFRAG mit dem Betriebssystem zur Verfügung.
DEFRAG reorganisiert die Festplatte, indem Cluster verlagert werden, um fragmentierte Dateien wieder in einem zusammenhängenden Bereich zu speichern. Für diese Arbeit muß das Programm den totalen Zugriff auf das entsprechende Laufwerk haben, d.h., es müssen vor dem Start von DEFRAG alle Programme deaktiviert werden, die u.U. auf die Festplatte zugreifen könnten. Insbesondere Cache-Programme, Windows und einige speicherresidente Programme.
Bevor die Reorganisation beginnt, stellt das Programm den Fragmentierungsfaktor (den prozentmäßigen Anteil fragmentierter Dateien) fest und teilt dem Anwender mit, ob eine Reorganisation sinnvoll ist.
DEFRAG kann mit folgender Syntax aufgerufen werden:
DEFRAG [lw:][/f|/u][/s[:]folge][/b][/skiphigh][/lcd|bw|g0][/h]
Die Argumente und Schalter haben folgende Bedeutung:
lw:
Gibt das Laufwerk an, das reorganisiert werden soll.
/f
Durch diesen Schalter wird festgelegt, daß zwischen den reorganisierten Dateien kein freier Platz gelassen wird.
/u
Durch diesen Schalter wird festgelegt, daß zwischen den reorganisierten Dateien freier Platz gelassen wird. Dadurch kann erreicht werden, daß die erneute Fragmentierung der Festplatte langsamer einsetzt.
/s
Während der Reorganisation der Festplatte können die Dateien in ihren Verzeichnissen nach einer festgelegbaren Reihenfolge sortiert werden. Ohne diesen Schalter bleibt die Reihenfolge unverändert. Folgende Sortierreihenfolgen können festgelegt werden:
n Alphabetisch nach dem Dateinamen
e Alphabetisch nach den Dateierweiterungen
d Nach dem Datum und der Uhrzeit
s Nach der Dateigröße
Die Reihenfolge ist im Normalfall aufsteigend. Durch einen Bindestrich unmittelbar nach dem Zeichen wird die Reihenfolge umgekehrt, z.Bsp. bedeutet die Angabe n-, das die Dateinamen in der Reihenfolge von Z bis A sortiert werden.
/b
Bewirkt, daß der PC nach der Reorganisation neu gestartet wird.
/skiphigh
Durch diese Angabe wird DEFRAG nicht im UMB-Bereich ausgeführt (standardmäßig), sondern in den konventionellen Arbeitsspeicher geladen.
/lcd
Die Bildschirmausgabe wird einem LCD-Display angepaßt.
/bw
Die Bildschirmausgabe erfolgt im Schwarz/Weißmodus.
/g0
Die Bildschirmausgabe erfolgt im Textmodus (ohne diesen Schalter im Grafikmodus).
/h
Verborgene Dateien werden im Normalfall bei der Reorganisation nicht verschoben, da dadurch einige Programme aufgrund ihres Kopierschutzes Probleme bekommen könnten. Durch die Angabe dieses Schalters /h werden auch verborgene Dateien verschoben.
Es ist zu beachten, daß auch Laufwerke, die mit DOUBLESPACE komprimiert wurden, mit DEFRAG reorganisiert werden können.

© Jürgen Richter